Wenn ein Cape unsichtbar bleibt
Vom 7. Juli bis zum 1. August zeigt Prop e.V. in Erding eine Ausstellung, die anders aussieht als die meisten Foto-Ausstellungen: „Respect vs Stigma" nennt sich das Projekt, das Menschen mit überwundener Sucht- und Abhängigkeitserkrankung als „Superheld:innen" inszeniert – nicht mit Umhang und Maske, sondern mit ihrer echten Geschichte. Initiiert hat das Projekt Stefan Friedlein, Teilnehmer bei *ZamWirken* und Gründer der 32code10 gUG in Poing.
Eine Idee aus echter Erfahrung
Die Initiative ist keine abstrakte Kampagne. Sie ist aus der eigenen Biografie von Stefan Friedlein und einem Team von Menschen entstanden, die eine ambulante Langzeit-Entwöhnungstherapie durchlaufen haben. Nach eigener Aussage der Gruppe waren es nicht zwei, sondern drei Kämpfe, die es zu bestehen galt: die Entwöhnung selbst, die dauerhafte Stabilität – und die anhaltende Stigmatisierung durch die Gesellschaft. Gerade dieser dritte Punkt, die öffentliche Wahrnehmung, hat nach ihrer Erfahrung oft den größten Einfluss auf den weiteren Weg: schon bei der Entscheidung, sich zu outen und Hilfe anzunehmen, und weit über die Zeit einer Therapie hinaus.
Aus dieser Erfahrung ist die Bildsprache der Ausstellung entstanden. Die Fotografien zeigen Menschen, die einen langen Weg gegangen sind und heute abstinent und bewusst leben – begleitet von Profiltexten, die sie selbst verfasst haben. Der Begriff „Superheld:innen" ist dabei bewusst gewählt: nicht um zu verklären, sondern um sichtbar zu machen, was sonst unsichtbar bleibt. Wer diesen Weg nicht selbst gegangen ist, sieht das „Cape" oft nicht – das Gewicht aus Rückfällen, Scham, Einsamkeit und dem immer wieder neuen Aufstehen.
Warum das mehr ist als eine Fotoausstellung
„Respect vs Stigma" versteht sich als Aufklärungsarbeit: gegen Vorurteile, für einen sachlicheren Blick auf Abhängigkeitserkrankungen und die Zusammenhänge zwischen Sucht und Psyche. Die Ausstellung wandert – nach früheren Stationen ist Erding der nächste Ort, an dem neue Aufnahmen entstehen und neue Geschichten geteilt werden. In Erding ist sie bei Prop e.V., Landshuter Str. 9, zu sehen, dienstags von 9 bis 12 Uhr und freitags von 12 bis 17 Uhr, samstags nach Vereinbarung. Führungen sind möglich.
Die ZamWirken-Perspektive
Bei *ZamWirken* begleiten wir gemeinwohlorientierte Ideen auf ihrem Weg von der ersten Skizze zur tragfähigen Struktur – und Stefan Friedleins Initiative ist ein Beispiel dafür, wie persönliche Erfahrung zu gesellschaftlicher Wirkung werden kann. Die 32code10 gUG i.Gr. verbindet Aufklärung, Kunst und Selbsthilfe zu einem Format, das ein schwieriges Thema zugänglich macht, ohne es zu verharmlosen. Genau das ist gemeinwohlorientiertes Unternehmertum in seiner ursprünglichsten Form: eine Struktur schaffen, die einem gesellschaftlichen Bedürfnis dient und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig sein will.

Wir unterstützen dieses Vorhaben, weil es zeigt, wie regional verankertes Engagement über den eigenen Landkreis hinaus wirken kann – von Poing über Erding bis in weitere Stationen der Wanderausstellung.
Selbst hinsehen
Wer sich die Ausstellung ansehen möchte, findet Termine und weitere Informationen auf respect-vs-stigma.org.
Buchungsanfragen für weitere Stationen der Ausstellung nimmt das Team direkt per E-Mail entgegen.